Über dem Portal des Hamburger Oberlandesgerichts prangt der schöne Spruch: „ius est ars boni et aequi“. Dass das Recht die Kunst des Guten und Gerechten ist, gehört zu den eisernen Grundsätzen des Rechtsstaats. Aber: Ist Justitia wirklich immer so blind wie es dem Ideal entspricht oder gibt es eine Kluft zwischen Verfassungsanspruch, juristischer Praxis und sozialer Realität? Und wenn ja, wird diese größer? Das wäre nicht nur für Betroffene ein Problem, sondern letztlich auch für den Rechtsstaat. Denn, wenn es ihm nicht gelingt, sein Schutzversprechen allen zu Teil werden zu lassen, die darauf angewiesen sind, leidet auch empfindlich die Wertschätzung für die Demokratie.
In Kooperation mit dem Hamburgischen Anwaltverein und der Bucerius Law School lädt die Evangelische Akademie der Nordkirche zusammen mit der AG Soziales Hamburg am 23. April 2026 zu einer größeren ganztägigen Konferenz ein. Unter dem Motto „Wer bekommt Recht, wer nicht? – Gleichheitsversprechen und soziale Realität“ werden im Besenbinderhof namhafte Gäste erwartet. Dazu zählen u.a. die Juristen Prof. Dr. Michael Wrase (Berlin/Hildesheim) und Prof. Dr. Judith Dick (Berlin), die Kriminalsoziologin PD Dr. Nicole Bögelein (Köln), die OLG-Richterin Dr. Jana Zapf vom Deutschen Richterbund und die Hamburger Justizsenatorin Anna Gallina, die 2026 auch den Vorsitz der Justizministerkonferenz innehat. Arbeitsgruppen werden sich mit Chancen(un)gleichheit in beispielhaft ausgewählten Rechtsgebieten beschäftigen, aber auch mit der Frage, inwieweit Rechtsberatung als Teil staatlicher Daseinsvorsorge anzusehen ist oder wäre.
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