Hamburgischer Anwaltverein e.V.

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Der Anwaltsauftrag und die Mediation - ein lukratives Paar?!

Datum:Donnerstag, 28. Januar 2016
18:00 bis 20:00 Uhr
Ort:Zimmer A 156 im Ziviljustizgebäude
Referent:Rechtsanwältin und Mediatorin Friederike Matheis, Hamburg, Rechtsanwalt und Mediator Michael Plassmann, Berlin, Rechtsanwältin Rita Brockmann-Wiese, Fachanwältin für Familienrecht, Hamburg, Rechtsanwältin Britta Schönborn, Fachanwältin für Familienrecht, Hamburg
Kosten:Kostenlos - eine schriftliche Anmeldung ist zwingend erforderlich!
Inhalt:

Der Anwaltsauftrag und die Mediation – ein lukratives Paar?!

Podiumsdiskussion am Donnerstag, den 28. Januar 2016
von 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr in Raum B 200

  • Anwaltsmediation – die Wunderwaffe im Beratungsprofil? Wie kann man eigentlich als Anwalt mit Mediation Geld verdienen?
  • Welche Fälle eignen sich überhaupt?
  • Es diskutieren RAin Rita Brockmann-Wiese und RAin Britta Schönborn, beide Mediatorinnen und Fachanwältinnen für Familienrecht aus Hamburg, und RA Michael Plassmann, Mediator aus Berlin.
  • Es moderiert RAin Friederike L. Matheis aus Hamburg
  • Kostenlos - eine schriftliche Anmeldung ist zwingend erforderlich!
  • Im Anschluss laden wir Sie zu weiteren Gesprächen bei Wein und Brezeln ein.        

Rechtsanwälte und Mediation – Vision und Wirklichkeit

Warum wollen nur so wenige Anwälte und Anwältinnen – in Hamburg sind es weniger als 1% der insgesamt rund 10.500 zugelassenen Kollegen – sich mit der außergerichtlichen Konfliktlösungsmethode der Mediation befassen? Das wollte ich wissen und bat einige Kolleginnen und Kollegen, die den Titel „Mediator“ im Briefkopf führen, um ein Interview. Ich stellte ihnen unter anderem Fragen wie diese:

  • Was glauben Sie, nützt diese Zusatzausbildung Anwälten für    ihre Rechtsanwaltspraxis?
  • Was könnten aus Ihrer Sicht gute Gründe für Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte sein, sich die Zusatz-Qualifikation als „Mediatorin/Mediator“ anzueignen?
  • Gibt es für Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte auch realistische wirtschaftliche Argumente dafür, die Zusatz-Qualifikation als „Mediatorin/Mediator“ zu erwerben?
  •  Wie sehen Sie die Zukunft der Mediation im Rahmen der anwaltlichen Dienstleistung?

 

Ich war ein wenig erstaunt, dass die Mehrheit meiner Interviewpartner im Hinblick auf die Zukunft der Mediation in der Anwaltswelt wenig optimistisch eingestellt ist. Abgesehen von einer Kollegin, die schon seit den frühen Pionierjahren Mediationen „im dreistelligen Bereich“ durchgeführt hat, sind die Zahlen der insgesamt durch-
geführten Mediationen eher mager. Die Pionierjahre, das war Anfang der 1990iger Jahre, als die Mediation von den inzwischen berühmten amerikanischen Mediatoren Gary Friedman und Jack Himmelstein nach Deutschland gebracht wurde. Es dauerte mehr als zwei Jahrzehnte, bis die Mediation als außergerichtliche Konfliktlösungsmethode in der Zivilgesellschaft angekommen ist.

 

Am 21. Juli 2012 wurde das Gesetz zur Förderung der Mediation und anderer Verfahren der außergerichtlichen Konfliktbeilegung, kurz MediationsG, erlassen. Das liefert uns nun Legaldefinitionen für die Mediation und den Mediator (§ 1 Abs. 1 und 2), für das Verfahren und die besonderen Aufgaben (§ 2 Abs. 1 bis 6) und Pflichten des Mediators (§§ 3 und 4), sowie unter § 5 MediationsG die Aus- und Fortbildung des zertifizierten Mediators. Nur RechtsanwältInnen, die entsprechend § 5 MediationsG ausgebildet sind, können sich gemäß § 7a BORA bei der Hanseatischen Rechtsanwaltskammer als „Mediator“ listen lassen.

Mediation als Mehrwert

Diejenigen Kollegen, Anwalts-Mediatoren, die der Mediation eine günstigere Zukunftsprognose stellen, verweisen auf den Mehrwert, den die anwaltliche Dienstleistung durch das zusätzliche Angebot der Mediation für die Mandantschaft bedeutet. So betont beispielsweise der Berliner Anwalt und Mediator Michael Plassmann (in einem im Internet veröffentlichten Artikel unter dem Titel „Warum die Mediation dem Anwalt nützt“) unter mehreren überzeugenden Argumenten die folgende Grundfrage:“…nämlich, wie wir uns im Lichte der zunehmenden Liberalisierung unserer Dienstleistung zukünftig gegenüber unseren Kunden, den Mandanten, positionieren. Aus meiner Sicht muss es darum gehen, dass wir Rechtsanwälte von den Mandanten zukünftig nicht nur als die besten Streithelfer, sondern auch als die idealen Konfliktmanager wahrgenommen werden….“

 

Die Hamburger Fachanwältin für Familienrecht, Frau Rita Brockmann-Wiese, ist davon überzeugt, dass die Mediationsausbildung den juristischen Horizont erweitere und neues kommunikatives Handwerkszeug schaffe, das in der Rechtsanwaltspraxis sinnvoll eingesetzt werden könne. Sie sieht den Erwerb des Titels als zertifizierter Mediator als eine Zusatzqualifikation an, die einen Wett-bewerbsvorteil schaffe, „da sich inzwischen viele Mandanten bei der Anwaltssuche auch daran orientieren, ob eine Mediationsaus-bildung absolviert wurde.“ Auch die Kollegin Britta Schönborn, ebenfalls Fachanwältin für Familienrecht, glaubt, dass die Rechtsanwälte nicht darum herum kommen, sich mit der Mediation aus-einanderzusetzen, zumal die Mediation bei den Gerichten längst
en vogue sei. Grundkenntnisse der Mediation seien für alle Rechtsanwälte unerlässlich, nicht unbedingt, um selbst Mediationen durchzuführen, sondern um in geeigneten Fällen mit versierten, vertrauenswürdigen Mediatoren zu kooperieren. Der Anwalt darf ja nicht in ein und derselben Sache als Interessenvertreter auftreten und zugleich Mediator sein, wie sich aus § 3 MediationsG und § 3 BORA ergibt. Rechtsanwälte sollten heute wissen und erkennen, in welchen Fällen die Mandanten auf die Vorteile einer Mediation hingewiesen werden sollten.

 Dazu § 253 ZPO, der die Erfordernisse an die Inhalte der Klageschrift formuliert: „die Angabe, ob der Klageerhebung der Versuch einer Mediation oder eines anderen Verfahrens der außergerichtlichen Konfliktbeilegung vorausgegangen ist, sowie eine Äußerung dazu, ob einem solchen Verfahren Gründe entgegenstehen;…“ . Wie viele Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte kennen diese Vorschrift und tragen ihr Rechnung?

Vorbehalte und gute Gründe für die Mediation 

Warum also diese verbreiteten Vorbehalte gegenüber der Mediation? Sind Mediatoren „Gutmenschen und Träumer“, die die Realität der Anwaltsaufgaben verkennen? Oder sind es hauptsächlich wirtschaftliche Argumente, die aus der Sicht der Streitanwälte gegen die Mediation sprechen, oder ist es die Angst vor Konkurrenz von Seiten der Meditatoren? Oder liegt der Grund darin, dass die meisten Rechtsanwälte immer noch nicht wissen, was das Mediationsverfahren eigentlich ist, wie es abläuft und was es für die anwaltliche Interessenvertretung bedeuten kann? 

Mein Eindruck ist: von allem etwas. Wenn ein Anwalt anstatt einer anwaltlichen Beratung und Vertretung eine Mediation durchführt, wird er nicht nach Gebührenrecht und Gegenstandswert honoriert, sondern nach Stunden. Die Sätze der Anwaltsmediatoren liegen bei mindestens 150,- € bis 300,- € pro Stunde, je nach wirtschaftlichem Wert, den Verhältnissen der Parteien und Bedeutung des Konfliktes. 

Rechtsanwältin Schönborn weiß die Kooperation von Beratungs-anwälten und Mediatoren zu schätzen. Sobald sie – selbst als Mediatorin ausgebildet – erkennt, dass sich bei einer Familiensache eine Mediation der Parteien empfiehlt, schlägt sie diese ihrer Mandantschaft vor und stellt mehrere ihr als zuverlässig und kompetent bekannte MediatorInnen zur Auswahl vor. Das Scheidungsverfahren und die Überprüfung der in der Mediation erarbeiteten Vereinbarung bleibt in anwaltlicher Hand und drückt sich im abschließenden Honorar aus. Diese Form der Kooperation ist ein wirtschaftlicher Vorteil für Rechtsanwälte, kein Nachteil, denn der Prozessanwalt spart viel Zeit für andere lukrative Anwaltsarbeit.

 

Oft habe ich Kollegen sagen hören, sie machten doch sowieso in
ihrem beratenden Anwaltsgeschäft „praktisch Mediation“, wenn
sie Vergleichsverhandlungen führten.

Aber das Mediationsverfahren ist strukturell und qualitativ etwas ganz anderes als eine Vergleichsverhandlung. Der Anwalt ist immer Interessenvertreter, der Mediator darf es nicht sein.

Es ist gerade das Vorliegen eines übergeordneten gemeinsamen
Interesses, das der Grund dafür ist, warum Mediationen funktionieren. So ein übergeordnetes Interesse findet sich hauptsächlich in Familien-
konflikten. Im Familienrecht, wo die Beziehung der Eltern zu den
Kindern eine ganz wichtige Rolle spielen, im Erbrecht, wo Familienbande zerschnitten oder erhalten werden können, in Gesellschaftsstreitigkeiten, wo es um den Erhalt oder die Vernichtung gemeinsam erarbeiteter Werte geht, in WEG- und Nachbarschaftssachen, wo eine Lebensnähe fortbesteht und gedeihlich oder unerträglich sein kann.  

Menschen sind sowohl egoistische wie auch soziale Wesen. Als
Egoisten geht es uns in erster Linie um unser eigenes Überleben,
Gewinnen und Wohlergehen. Aber als sozial konzipierte Spezies können wir Menschen wirklich nachhaltig nur in Kooperation
überleben. Als beratende Anwälte sollten wir für unsere Mandanten, die mit einem „Rechtskonflikt“ zu uns kommen, erkennen, dass ein Rechtskonflikt immer im Kontext eines Lebensgeschehens auftaucht.  

Ich glaube, wenn wir uns als Anwälte- und Anwältinnen einfach mehr über die Möglichkeiten und Grenzen der Mediation informieren und uns das Basiswissen und -können aneignen, gewinnen wir  für uns selbst und für unsere Mandanten einen größeren Nutzen. Wie Rechtsanwalt von Wedel mir gegenüber meinte: „Ich glaube, dass die Zusatzausbildung zum Mediator trotz meiner (eher nicht optimistischen) Einschätzung zur Zukunft der Mediation in der Anwaltschaft gut ist, denn sie erhöht in jedem Fall die Kommunikationskompetenz und -qualität. Rechtsanwälte haben etwas davon, wenn Mandanten glücklich sind.“ 

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